Im Zeittraining der S1 Klasse bugsierte sich ein Favorit recht schnell aus dem Rennen. Mauno Hermunen probierte Runde um Runde an unterschiedlichen Stellen die Grenzen aus, um das letztendliche Ergebnis seiner Analyse in einer pfeilschnellen Umrundung zu kombinieren. Diese Übung schlug aber leider fehl. Man konnte förmlich mit anschauen, wie der Finne ein ums andere Mal heftiger durchs Oval donnerte und den Übergang zur Geraden immer grober und kraftvoller umzusetzen versuchte. Im fortgeschrittenen Versuchs-Stadium war es dann soweit, dass er beim Umlegen in die Gerade die Bordsteinkante touchierte, ausgehebelt wurde und im hohen Bogen auf dem gegenüberliegenden Bordstein einschlug. Hermunen sprang auf, brachte sich in Sicherheit und fiel dann zu Boden. Das Training musste kurzzeitig unterbrochen werden, doch Hermunen war in der Lage im zweiten Teil auch mitzuwirken. Doch mit wenig Erfolg. Pavel Kejmar sicherte sich die Pole Position, sieben Tausendstel dahinter kam Markus Class als Zweitschnellster, gefolgt von Hannes Maier und Markus Volz. Die zweite Reihe der Startaufstellung eröffnete Jürgen Künzel, vor Petr Vorlicek und Marcel Götz. Hermunen lag auf Rang acht. Er konnte seine beste Zeit aus der ersten Hälfte nicht mehr toppen.
Zu Beginn des Rennens gab es direkt drei Zweikämpfe, die den Zuschauern volle Aufmerksamkeit abverlangten. Markus Class, der den besten Start erwischt hatte, kämpfte mit Pavel Kejmar. Direkt dahinter musste sich Vorlicek gegen Künzel wehren und Markus Volz machte die Bahn dicht, so dass Hermunen nicht direkt an ihm vorbeiziehen konnte. Künzel und Hermunen waren die Ersten, die ihre Kontrahenten attackierten. Ende Start-Ziel konnte Künzel die Power seiner Aprilia voll einsetzen und schob sich an Vorlicek vorbei auf die dritte Position. Eine Runde später startete Hermunen seine Großoffensive. Auch er packte seinen ersten Gegner Ende Start-Ziel, ließ Volz somit hinter sich und sah nun das Gelb von Vorlicek vor sich leuchten. Das biss dem Finnen offensichtlich so arg in den Augen, dass er ihn zwei Runden später im Offroad überholte. In der Zwischenzeit war Künzel schon ein wenig enteilt, weswegen Hermunen drei Runden brauchte um an ihn heranzukommen. Doch Künzel ist kein leichter Gegner und schon gar nicht auf einer Bahn wie St. Wendel. Fünf Runden vor Schluss hatte Hermunen aber das Mittel gefunden. Er wählte die Innenspur durch den Offroad, zog beherzt am Gas und war ab dem Moment Dritter. Nun standen noch Kejmar und Class an, überholt zu werden.
Den Tschechen schnappte sich Hermunen Ende Start-Ziel, wonach noch drei Runden blieben, um Class zu bezwingen. Der war auf der Hut und gab sich auf der Zielgeraden nicht als Opfer preis. Also musste Hermunen zu seiner Ausweichvariante greifen und versuchte das Gleiche wie bei Künzel. Innenspur im Offroad, mit viel Schwung, aber flach über den kleinen Table und dann am Anlieger vor Class reingestochen. Der Wormser muckierte nach dieser Aktion unfaires Verhalten des Finnen, was aber sein subjektiver Eindruck war. Hermunen kam vor Class am Anlieger an und ließ dem sogar genug Raum, um außen vorbeizuziehen. Dass Class seinen Überschuss an Schwung auf der Bremse in Reibwärme umwandelte, war gänzlich sein Verschulden.
Hermunen gewann den ersten Lauf, gefolgt von Class, Kejmar, Künzel und Vorlicek.
Beim Start des zweiten Rennens zog Kejmar kräftig nach innen und ließ Class somit keinen Raum. Volz war Zweiter nach dem Start, gefolgt von Künzel, Hermunen, Class und Vorlicek. Da Volz sich gegen Künzel zur Wehr setzte, konnte er die Geschwindigkeit von Kejmar nicht ganz mitgehen. Somit zog Kejmar schnell unbehelligt seine Bahnen und verschaffte sich wichtigen Abstand, den er gegen Ende des Rennens noch gut gebrauchen konnte. In der zweiten Runde legte Künzel wieder die gleiche Strategie an den Tag wie schon im ersten Lauf und ging erneut Ende Start-Ziel am Saarländer vorbei. Nun musste er die Lücke zu Kejmar schließen, was ihm zeitweilen auch zu gelingen schien. Doch schneller als gedacht hörte er die Husqvarna von Hermunen hinter sich schreien. Hermunen trieb Künzel aus dem Rhythmus und ging erneut im Offroad vorbei. Künzel so lange attackieren zu müssen, hatte einen entscheidenden Nachteil für den Finnen. Künzel wird zum Blocker, lässt nichts und niemanden vorbei und verbrennt dadurch einiges an Zeit. Ein Umstand den Kejmar voll ausnutzen konnte, um seinen Abstand auf fast zehn Sekunden auszudehnen. Das schaffte selbst Hermunen nicht mehr, weshalb der Tscheche den verdienten Sieg nach einem fehlerfreien Rennen davontragen durfte.
Der Kampf um Platz drei war aber noch lange nicht vorbei. Volz, der nach wie vor Class im Nacken hatte, orientierte sich nun wieder nach vorne. Er wollte vor heimischem Publikum aufs Podest fahren. Also drängelte er an Künzel und trieb den Schwaben in einen Fehler. Ausgangs Offroad baute Künzel einen Rutscher ein und Volz huschte durch. Dies geschah in der vorletzten Runde, was alle wussten; alle, außer Künzel. Der war in den Runden zuvor nämlich so beschäftigt gewesen, dass er die Anzeige der Rennleitung falsch interpretierte. Dadurch wollte er eine Runde eher aufhören als der Rest und ließ bei der Durchfahrt unterm Zielbogen das Gas schnalzen. Eine Einladung, der Class gerne folgte. Ehe Künzel bemerkt hatte, dass er soeben nicht an einer geschwenkten Flagge, sondern an einer Tafel mit einer fetten EINS, für "Jungs, eine Runde noch, dann habt ihr es geschafft!", vorbei gefahren war, hatte Class ihm den vierten Rang abkassiert.
Auch die Klasse S2 blieb von bösen Überraschungen nicht verschont: Michi Herrmann war gleich beim ersten Training am Samstagmorgen im Omega gestürzt und hatte sich dabei so übel verletzt, dass er einen Abstecher ins örtliche Krankenhaus machen musste. Ergebnis: glatter Wadenbeinbruch, der nur wegen der starken Schwellung nicht gleich am Samstag noch operiert wurde. Falls Michi nach dem Sturz gehofft haben sollte, er könne trotzdem noch starten, so waren diese Hoffnungen damit zunichte gemacht. Er kann von Glück reden, wenn er am nächsten Renntag der IDM in Dortmund am Start sein kann und da ist es auch kein Trost, dass der Omega an diesem Wochenende nicht nur ihm zum Verhängnis wurde: "Ich weiß nicht genau, woran es gelegen hat. Plötzlich verlor ich das Vorderrad und fand mich in der aufsteigenden Böschung wieder. Nun hoffe ich, dass die Schwellung schnell zurück geht, damit ich schnell operiert werden kann. Meine Hoffnung besteht darin, in Dortmund wieder starten zu können."
Beim Zeittraining sicherte sich Nico Joannidis die Pole vor Jochen Jasinski und Lukas Wolf. Nico kam beim Start nicht gut weg, zu einem Schubser vors Hinterrad gesellte sich dann auch noch ein kleiner Verbremser, so dass sich Lukas Wolf schon zu Beginn des Rennens an die Spitze des Fahrerfeldes setzte. In seinem Windschatten folgten Jan Deitenbach, der von der 4. Position gestartet war, Jochen Jasinski und Dirk Spaniol. Dahinter reihte sich Nico Joannidis als Fünfter ein und wie eine Karawane zog dieses Quintett über den gesamten Rennverlauf dem Rest des Fahrerfeldes davon; lediglich Nico tauschte seinen Platz mit JJ, der die Pace der anderen nicht ganz halten konnte, allerdings auch nicht den Anschluss an die Spitze verlor und Nico in der vorletzten Runde doch wieder überholte.
Ebenfalls über den gesamten Rennverlauf musste sich Lukas Wolf gegen die verbissenen Attacken Jan Deitenbachs zur Wehr setzen, der sich nach seinem hervorragenden Start berechtigte Hoffnungen auf einen Platz ganz oben auf dem Treppchen machen konnte. Aber obwohl Jan der Schnellere war und anfänglich jede noch so kleine Möglichkeit zum Überholen auszunutzen versuchte, hatte Lukas die Tür dicht gemacht und machte sie bis zum Ende des Rennens nicht wieder auf. "Auf dieser Strecke gibt es nur wenige Stellen, an denen man überholen kann. Ich habe es einige Male versucht, aber letztlich wollte ich nicht durch ein waghalsiges Manöver meinen Podiumsplatz gefährden" so Jan nach dem Rennen.
Deitenbach wiederum konnte endlich mal seinem Teamchef Dirk Spaniol den Auspuff zeigen, nachdem Dirk ihm in Lichtenberg bei beiden Läufen die Abgase vor das Visier geblasen hatte und ihn trotz heftiger Attacken nicht vorbeilassen wollte.
Lukas Wolf ging als erster über die Ziellinie, dahinter ein jubelnder Jan Deitenbach, der damit sein erstes Podium nach Hause brachte und seinem Vater bei diesem Rennen den ein oder anderen Schweißausbruch bescherte. "Bloß nicht noch so ein Rennen, das würd ich nicht aushalten", war sein Kommentar dazu. Dritter wurde Dirk Spaniol, dem auf heimischer Strecke der Jubel des Publikums damit ebenfalls sicher war.
Der zweite Lauf bescherte Jochen Jasinski nach einem guten Start die Führungsposition vor Dirk Spaniol und Nico Joannidis. JJ hatte in Lichtenberg Pech gehabt und konnte dort sturzbedingt nur einen Lauf zu Ende fahren. Auch an diesem Wochenende war ihm und seinem Projekt "Zweitakter" das Glück nicht gewogen, denn schon in der zweiten Runde machte ihm ein Plattfuss erneut einen Strich durch die Rechnung, wodurch sich Dirk Spaniol unversehens an der Spitze des Fahrerfeldes wieder fand. Verfolgt wurde er zunächst von Nico Joannidis, den ein Sturz in der zweiten Runde aber wieder zurückwarf. Toni Krettek rückte dadurch auf die zweite Position vor und lachender Dritter im Bund war Danni Fuhrbach, der seine 9. Startposition durch einen guten Start auf die 5. Position verbessern konnte und seine unverhoffte 3. Position verbissen gegen Jan Deitenbach verteidigte. Über diese Konstellation war selbst Danni verblüfft: "Dritter Platz während des Rennens, echt geil, damit hätte ich nie gerechnet. Zumal mir meine eigentliche Maschine wegen eines Motorschadens nicht zur Verfügung stand. Taunus Moto hat gute Arbeit beim Umbau eines Serienmotorrades geleistet."
Derweil machte sich Nico schon wieder mit Riesenschritten auf den Weg an die Spitze, schob sich zunächst an Jan Deitenbach vorbei, danach an Danni, der kurz darauf seinen Platz auch für Jan räumen musste.
Dirk Spaniol drehte währenddessen auf relativ sicherer Position an der Spitze seine Runden, wurde aber von Nico Joannidis verfolgt, der den Abstand so beharrlich verringerte, dass es gegen Ende des Rennens mit Dirks vermeintlich sicherer Führung vorbei zu sein schien. Tatsächlich gelang es Nico in der langen Geraden nach dem Start sogar kurz, Dirk zu überholen, musste sich nach der Kurve aber doch wieder als Zweiter einreihen. "Ich habe alles daran gesetzt den vehementen Angriffen Nicos Paroli zu bieten. `Heute ist mein Tag´, hab ich mir gedacht, `und so leicht wird es nicht für Dich.´"
Nachdem Nico dann auch noch kurz zu Boden ging, fuhr Dirk Spaniol unter dem frenetischen Jubel seines Publikums einen unangefochtenen Sieg nach Hause. Standing Ovations gab es bei den Dankesworten des zu Tränen gerührten Saarländers, und als dieser schließlich vom Podium aus seiner Katja einen Heiratsantrag machte, kannte der Jubel kein Ende mehr und ein verstohlener, leicht wässriger Blick ins Publikum zeigte, dass auch einige der Zuschauer sich bei dieser Gelegenheit das ein oder andere Tränchen nicht verkneifen konnten.
Die S3 Truppe zeigte sich im Zeittraining in gewohnter Art und Weise. Lukas Höllbacher knallte eine Bestzeit hin, auf die der Rest des Feldes zu reagieren versuchte. Dies gelang aber mehr schlecht als recht. Der Zweitplatzierte Milan Sitniansky blieb mit seiner Zeit satte 1,7 Sekunden über der von Höllbacher, was beim Qualifying einer halben Ewigkeit nahe kommt. Höllbacher hatte gegen Mitte des Trainings jedenfalls schon so derb vorgelegt, dass er den Rest des Trainings nach einem Sturz im Rettungswagen verbringen konnte, ohne dass seine Pole in Gefahr geraten wäre. Josef Stehrer wurde Dritter in der Startaufstellung und Maxi Niewiadomski schloss die erste Startreihe ab.
Das erste Rennen begann dramatisch. Stehrer war in der ersten Runde unwiederbringlich gestürzt, während Höllbacher vor Sitniansky seine Bahnen zog. Aber nicht lange, denn nach der vierten Runde wurde das Rennen aufgrund eines Sturzes von Nico Günther abgebrochen und neu gestartet. Die Chance für Stehrer, alles wieder gutzumachen.
Nach dem Neustart war Höllbacher erneut an der Spitze. Der voran beim Start gestürzte Jo Stehrer kam auf Rang zwei, gefolgt von Sitniansky und Maxi Niewiadomski. Genau in der Reihenfolge ging es bis zur Mitte des Rennens voran, bis Höllbacher beim Überrunden aufgehalten wurde und Jo Stehrer sich an die Spitze setzte. Drei Runden lang konnte Jo die Stellung halten, bis Lukas Höllbacher sich im Offroad wieder an die Spitze setzen konnte und das Rennen gewann.
Der Kampf um Platz drei war quasi nicht existent. Sitniansky drehte seine Runden ohne Bedrängnis durch Niewiadomski, stürzte fünf Runden vor Schluss und wurde so nur Vierter.
Als Wiedergutmachung gewann Sitniansky gleich mal den Start des zweiten Rennens und versammelte Höllbacher, Niewiadomski und Stehrer hinter sich. Maxi und Jo waren in den ersten Runden noch dran am Führungsduo, mussten aber ab der dritten Runde zusehen, wie die beiden dort vorne langsam, aber sicher weg zogen. Höllbacher war der zweite Platz nicht genug, weswegen er unentwegt am Tschechen drängelte. Der Österreicher fand aus eigener Kraft keinen Weg, um an Sitniansky vorbei zu gehen, hatte aber das Glück, dass der sich drei Runden vor Schluss selbst das Bein stellte und mit einem Vorderradrutscher am Ende der Start-Ziel Geraden zu Boden ging. Somit Höllbacher auf Eins, Niewiadomski mit etwas Abstand auf Zwei und Sitniansky auf Drei. Doch damit noch nicht genug, musste sich Sitniansky in der letzten Runde auch noch von Stehrer schlagen lassen, der dadurch auf den dritten Platz und somit aufs Treppchen fuhr.
Für die beiden österreichischen Cupfahrer Manuel Hagleitner und Lukas Höllbacher hielt das Wochenende in St. Wendel eine böse Überraschung bereit: Vor dem nunmehr dritten Renntag wurde von Seiten der Rennleitung bemerkt, dass beide Fahrer zwar im Besitz einer österreichischen Lizenz sind, beide allerdings nicht die notwendige deutsche DMSB Lizenz besitzen, die sie beim Start in den Cuprennen punkteberechtigt macht.
Das ist umso enttäuschender, als beide Fahrer in den vorangegangenen 4 Läufen so erfolgreich unterwegs waren, dass bis St. Wendel die Spitzenplätze in der Gesamtwertung von eben jenen beiden Fahrern besetzt wurden. Manuel Hagleitner ist erst in dieser Saison aus der S3 Klasse in die C1 aufgestiegen, während Lukas Höllbacher eigentlich in der S3 gemeldet ist und über den Umweg über die C1 seine Gaststartberechtigung für die S1 sichern wollte.
Beide Fahrer können nunmehr in der C1 allenfalls noch als Gastfahrer starten, was für die Klasse sicher ein herber Verlust ist und auch bei den anderen Fahrern mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Ob es allerdings bei dem "Gaststatus" bleiben wird, hängt derzeit noch von der Sportkommission ab, die in dieser Angelegenheit wohl angerufen werden wird. Lukas dazu: "Bei der Antragstellung hat man uns nicht darauf hingewiesen, dass die DMSB Lizenz unbedingte Voraussetzung ist. Cofain wird deshalb Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen." Aus rein sportlicher Sicht wäre ein Überdenken der Entscheidung sicherlich der richtige Weg. Rechtlich brauchen sich die Österreicher an dieser Stelle jedoch wenig Hoffnung machen, da die Einschreibung voraussetzt, dass man die Wettbewerbsbestimmungen, die AGBs der Rennserie, gründlich durchgelesen hat und anerkennt.
Im Zeittraining war es denn auch Manu Hagleitner, der sich die Pole einsackte, gefolgt von Alex Büttner und dem Österreicher Joe Stehrer, der gleichfalls als Gastfahrer startete. Janina Würterle komplettierte die erste Reihe, was sie beim Start hervorragend nutzte und sich an die Spitze des Fahrerfeldes setzte. Nicht so gut verlief der Start für Stehrer, Hagleitner und Büttner, die sich aber sogleich an Janinas Verfolgung machten. Insbesondere Joe Stehrer attackierte vehement und konnte in der zweiten Runde überholen. Hagleitner war inzwischen weit zurückgefallen, kurz darauf stürzte Janina und machte Platz für Alex Büttner, dem zu diesem Zeitpunkt aber bereits Lukas Höllbacher auf den Fersen war. Lukas war bei der Quali aufgrund eines Sturzes im vorangegangenen Zeittraining der S3 nicht dabei und startete deshalb von der letzten Position aus. "Ich wollte nach dem Unfall beim Zeittraining für die S3 zumindest einige Runden im Zeittraining der C1 fahren. Durch die Versorgung im RTW mit den entsprechenden Untersuchungen kam ich jedoch nicht rechtzeitig und musste daher von der letzten Position aus starten."
In Windeseile hatte Lukas den Rest des Fahrerfeldes hinter sich gelassen und machte sich nun daran, sich an Alex vorbei auf die zweite Position zu schieben. Inzwischen hatte sich aber der Himmel kräftig zugezogen, es fing leicht an zu tröpfeln und es kam ein leichter Sturm auf. Damit einhergehende vereinzelte Böen führten teilweise dazu, dass bei den Sprüngen im Off Road die Motorräder ab und an bedenkliche Schieflage bekamen. Hauptsächlich deswegen und aufgrund schlechter Erfahrungen im letzten Jahr, als ein Gewittersturm für erhebliches Durcheinander gesorgt hatte, entschied die Rennleitung beim Stand 1. Stehrer, 2. Höllbacher, 3. Büttner auf Abbruch des Rennens.
Beim zweiten Lauf wollten sich die Fahrer auf den vorderen Startplätzen nicht erneut den Schneid abkaufen lassen: Manu Hagleitner übernahm die Führung, gefolgt von Landsmann Joe Stehrer und Alex Büttner. Lukas Höllbacher hatte sich von seiner letzten Startposition schnell auf den achten Platz vorgeschoben, stürzte aber dann ausgangs der Zielkurve und konnte den verlorenen Boden im weiteren Verlauf nicht wieder gutmachen. Schon in der zweiten Runde übernahm Joe Stehrer die Führung vor Hagleitner und Büttner, dahinter Max Nölte und Janina Würterle auf den Plätzen vier und fünf. In dieser Reihenfolge etablierte man sich dann auch, wobei das Führungstrio schnell einen erheblichen Vorsprung auf die nachfolgenden Fahrer herausfuhr und klarmachte, dass man das Podium unter sich aufzuteilen gedachte. Alex: "Am Anfang war ich guter Dinge, dass ich noch Plätze hätte gutmachen können. Gerade auch auf Asphalt hat mich das mit aller Erfahrung von Grebenstein neu eingestellte Öhlins-Fahrwerk ein Stück weiter gebracht. Im Lauf des Rennens tauchten jedoch wieder die Probleme mit meiner Kupplungshand auf. Von Runde zu Runde bekam ich immer weniger Gefühl in der Hand. Daher hab ich mich lieber auf das Halten der Position beschränkt."
Max Nölte sah sich von Janina Würterle zeitweise sehr unter Druck gesetzt und das ein oder andere Mal hätte sie ihn auch fast erwischt. Gelungen ist es ihr zwar trotz energischer Bemühungen nicht, aber es brachte ihr auf jeden Fall begeisterte Anfeuerungsrufe aus dem Publikum und jede Menge Beifall, als sie schließlich als Fünfte die Ziellinie überquerte.
Aufgrund der positiven Erfahrung mit der dicken Husqvarna seines Teamchef hatte Maxi Niewiadomski sich nach Lichtenberg dazu entschlossen die Einschreibung im C2 Pokal nachzureichen. Eine Entscheidung, welche die Gefüge in dieser Klasse kräftig durcheinander rüttelt. Nun müssen die großen Namen der nationalen Deutschen Bigbike-Meisterschaft hinter einem 14 Jahre jungen Kerl aus München Position beziehen. Schon im Zeittraining hatte Maxi die Nase vorne, gefolgt vom Tabellenführer Eric Müller, Toni Trusch und Kevin Dietze. Unser Redaktionspilot Rutzl hatte den fünften Startplatz ergattert.
Beim Start machte sich Maxi dann auch schnell auf, setzte seine Pole um und raste dem Rest davon. Keine Chance für Toni Trusch und Eric Müller, welche sich um Rang zwei bekriegten, an dem C2-Neuling dran zu bleiben. Um den vierten Platz hingen sich Markus Rutz und Kevin Dietze in den Haaren. Dietze konnte offensichtlich schneller fahren, zumindest vermittelte er den Eindruck. Doch als er zum finalen Versuch ansetzte, schob er sich mit einem solchen Übermaß an Schwung im Offroad an Rutz vorbei, dass er am Anlieger zerschellte. Man kann von Glück sagen, dass Rutzl bei dieser Aktion nicht noch mit abgeräumt wurde. Reumütig trollte sich Dietze nach seiner Aktion auf den achten Rang. Somit war der Kampf um Platz vier zugunsten von Rutz entschieden.
Doch um den zweiten Platz, da wurde weiterhin gekämpft. Trusch war nicht in der Lage sich von Müller abzusetzen, was für Müller Grund genug war die eine oder andere Attacke zu fahren. Vier Runden vor Schluss war es dann auch soweit, dass Müller Ende Start-Ziel Erfolg hatte und Trusch auf Platz drei verbannte.
Sebastian Dechent wurde gefahrlos Fünfter. Sein Vorsprung zum Daniel Dechent betrug etwa 18 Sekunden.
Talent und ein nicht zu verachtender Gewichtsvorteil ließen Maxi auch im zweiten Rennen direkt vorne weg fahren. Direkt hinter ihm bezog Müller Position, gefolgt von Rutz, Trusch und Kevin Dietze.
Niewiadomski kam schon nach wenigen Runden dazu überrunden zu müssen, doch schon der erste Kandidat brachte ihm Probleme. Maxi wählte im Offroad die innere Spur, wollte innen ganz langsam um die Spitzkehre und bremste sich den Motor aus. Die Gelegenheit für Müller. Bis Niewiadomski soweit war hatte der sich vorbei gemogelt und führte. Eine Runde lang sollte sein glorreicher Ritt an der Spitze dauern, dann hatte Maxi ihn wieder ein- und überholt.
Das spannendste für die Zuschauer war aber der Kampf zwischen Rutz und Trusch. Hier ging es um Platz drei und Trusch attackierte mehrmals Ende Start-Ziel. Manchmal sah es danach aus, dass er schon vorbei sei, doch der Konter von Rutz folgte auf dem Fuss. Irgendwann, beim vierten Ansatz, hatte Trusch es dann aber geschafft und schnappte sich erneut den dritten Platz. Kevin Dietze hielt sich dieses Mal raus, genoss die Aussicht und wurde Fünfter.
Der Track im Wendelinuspark, der schon wahre Supermotoschlachten gesehen hat, war auch in diesem Jahr wieder optimal vorbereitet. Der Wetterbericht ließ hoffen, dass es an diesem Wochenende nicht wieder zu einem Reifenpoker wie vor zwei Wochen im sächsischen Lichtenberg kommen würde. Der Spielplatz für die Altherrentruppe war also angerichtet, jetzt lag es an den Akteuren für eine gute Show zu sorgen.
Die Vorzeichen für eine gute Show sahen anfangs nicht wirklich gut aus. Die Husaberg von Robert Pellerei überraschte ihren Fahrer mit einem kapitalen Motorschaden, so dass an ein Qualifikationstraining nicht zu denken war. Harald Wirtz hatte mit der Öl-Inkontinenz seiner KTM zu kämpfen. Aber wie man Harald Wirtz kennt, wäre ihm mit Sicherheit eine praktikable Lösung für das kleine Ölproblemchen eingefallen, hätte es sich nicht mit normalen Mitteln lösen lassen. Zur Not hätte es dann eben eine Babywindel aus dem örtlichen Discounter getan.
Von allen Vorkommnissen unbeeindruckt, brannte Christian Klipfel am späten Freitagabend die Polezeit in den saarländischen Asphalt. Seine 1:04.234 war auch von Jürgen Hüther nicht zu schlagen, der sich mit Startplatz 2 begnügen musste. Gerhard Wacker ärgerte erfolgreich der Tabellenführer Helmut Peter, konnte diesen 0.194 sec. hinter sich halten und stellte seine Honda auf Startplatz 4, direkt hinter Gaststarter Ingo Scheer. Der ein oder andere rieb sich wohl verwundert die Augen als Matthias Bremer auf einer DSR-Suzuki in den Vorstart rollte. Aber auch mit neuem Renngerät reichte es nur für Startplatz 10. Georg Lamberty kam mit seiner 250er Jähzorn (Yamaha YZ 250 LC) auch nicht richtig in Schwung und musste sich mit Startplatz 14 zufrieden geben. Stefan Brehm hielt auf seiner BMW zwar die deutschen Herstellerfarben hoch, konnte sich aber nur im hinteren Mittelfeld qualifizieren.
Christian Klipfel hätte sich von Angelika Otto "Catch me if you can!" auf den Rücken seiner Kombi sticken lassen können. Folgen konnte ihm vom Erlöschen der Startampel an niemand mehr. Die Frage war eigentlich nur, mit wie viel Vorsprung er das Rennen beenden würde. Um es kurz zu machen, am Ende waren es 11.42 sec. auf Jürgen Hüther der mit Platz 2 nicht unzufrieden war. Spannender war der Kampf um den letzten Podestplatz zwischen Ingo Scheer, Gerhard Wacker, Helmut Peter und Arie van Engelen. Nach erfolgreichem Fight um jeden Meter kam Helmut Peter 11.30 sec. hinter Jürgen Hüther über die Ziellinie. Matthias Bremer kam auf Platz 7 ins Ziel nachdem er Carsten Kögel, Martin Blug und Harald Wirtz niedergerungen hatte. Jörg Gregor hatte wohl das Rennen mit einer Gleichmäßigkeitsprüfung verwechselt. Von Startplatz 19 ins Rennen gegangen kam er auch auf diesem Platz ins Ziel und fuhr dabei bis auf 0.2 sec. die gleichen Zeiten wie im Zeittraining. Respekt!
"Kraft sparen, Runden einteilen" musste sich Jens Lindenlaub auf die Fahne geschrieben haben. Von Startplatz 33 ins Rennen gegangen, konnte er seine Rundenzeiten stetig steigern, an Achim Freund, Gaststarterin Esther Engel-Scheer und Michael Leonhardt vorbeiziehen und wurde mit seiner betagten Suzuki auf Platz 29 liegend abgewunken.
Klare Antwort... um einiges ereignisloser! Die Mad Mäxle Truppe um Unikat Michael "Boddle" Schellberg hatte am Abend in seiner Wellness- und Gourmet-Area zum Live-Wok-Cooking geladen. Für einen Selbstkostenbeitrag wurden frisch zubereitete chinesische Spezialitäten angeboten und das "all you can eat"!
Diesmal lief der Start für Helmut Peter besser als im ersten Lauf. Im Tiefflug kam er in Runde 1 hinter Jürgen Hüther aus dem Offroad geschossen, wild entschlossen sich diesmal nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Der Offroad in St. Wendel schreibt aber seine eigenen Gesetze. Erst erwischte es Gerhard Wacker auf Platz 4 liegend. Als seine Honda die Arbeit wieder aufnimmt, findet er sich am Ende des Mittelfeldes wieder. Beim Fallen der Zielflagge reicht es dann nur noch für Platz 15. Bei einem Überholmanöver würgt Helmut Peter dann sein Arbeitsgerät ab. Er kann das Rennen zwar schnell wieder aufnehmen, kommt aber nur noch auf Platz 5 nach vorn. Nutznießer dieser Situation war ein auf dem Podium breit grinsender Arie van Engelen. An der Spitze liegend drehte Christian Klipfel einsam seine Runden. Jürgen Hüther konnte den Rückstand zwar bei knapp 10 sec. halten, mehr als Platz 2 war aber auch in diesem Lauf nicht drin. Angelika Otto biss wieder auf die Zähne und ging auch in diesem Lauf an den Start. Aller Einsatz nutzte aber nichts. Sie musste Mario Rothe und Rüdiger Putz passieren lassen und kam auf Platz 26 ins Ziel.
Dieses Rennwochenende wird für immer in die Geschichtsbücher des Ü40-Cup eingehen. Die Enkelkinder der Teilnehmer werden die immer wiederkehrende Geschichte dieser Veranstaltung zu hören bekommen. Und immer wird die Geschichte mit dem Satz beginnen: "... die Muddy-Masters des Ü40-Cup im belgischen Bilstain... ich war dabei!!"
Am 25. - 26.06. wurden beim 4. Saisonrennen die Läufe 6 & 7 im Rahmen der Belgium Masters Supermoto ausgetragen. Die Zufahrt zum Fahrerlager gestaltete sich schon zum ersten Abenteuer des Wochenendes. Nach tagelangem Dauerregen war die Wiese des Fahrerlagers dermaßen durchweicht, dass die anreisenden Teilnehmer sich reihenweise festfuhren. Mit vereinten Kräften gelang es aber, dass auch der letzte Fahrer seinen Platz im Fahrerlager einnehmen konnte.
Dass die belgischen Gastgeber die Ruhe weg haben, zeigte sich auch bei Beginn des freien Trainings. Als die Ü40-Truppe schon hufescharrend im Vorstart stand, wurde auf der Strecke noch fleißig mit einer Motorsense die Streckenbegrenzung gestutzt und mit Hilfe einer Kehrmaschine der Asphaltanteil der Strecke gereinigt. Auf den Hinweis, dass jetzt ein Training auf dem Programm stand, wurde nur mit einem tiefenentspannten Schulterzucken geantwortet. Dass es dann mit einer fast 30-minütigen Verspätung und Dauerregen endlich losging, wird wohl dem einen oder anderen Fahrer die Augen an die Brille gedrückt haben. Der Offroad empfing die Fahrer mit riesigen Pfützen und knöcheltiefem Schlamm. Von "Irrsinn" über "das ist doch ein Witz" bis "...völlig unfahrbar" waren dann auch einige Kommentare nach Trainingsende.
Bis zum Beginn des Zeittrainings hatten sich die Bedingungen nur dahingehend geändert, dass der Regen nicht mehr ganz so heftig viel und die Strecke, bedingt durch die Trainings der anderen Klassen, auch auf dem Asphaltteil eine durchgängige Schlammschicht aufwies. Von den Bedingungen völlig unbeeindruckt brannte Gaststarter Oege de Jong seine Polezeit mit 1:51.983 in den belgischen Asphalt. Tabellenführer Helmut Peter blieb nichts anderes als Schadensbegrenzung. Er stellte seine Yamaha mit knapp 2,2 sec. Rückstand auf Startplatz 2. Harald Bambey's Auftritt beim freien Training wurde von einigen Fahrern mit "...der fährt als ginge es um sein Leben!" kommentiert. Im Zeittraining reichte es dann aber nur für Startplatz 4. Arie van Engelen ging sein Zeittraining völlig unauffällig an, konnte sich aber mit 1:56.390 Startplatz 3 sichern. Cupchef Harald Wirtz warf seine Streckenkenntnis in die Waagschale und kehrte mit Startplatz 6 ins Fahrerlager zurück. Offroadverweigerer Matthias Bremer kam mit den Streckenverhältnissen gar nicht klar und konnte seine frisch revidierte KTM nur auf Startplatz 13 stellen. "Ich mach das Mopped net dreckig!" war der Kommentar von Ulrich Opatz zum verpassten Zeittraining. Jörg Gregor war aufgrund seiner Streckenkenntnis mit der Hoffnung auf ein gutes Ergebnis in Bilstain angereist, konnte seine Yamaha aber nicht motivieren ordnungsgemäß die Arbeit aufzunehmen und mit ihm zum Schlammbad auf die Strecke zu rollen.
Das Einzige, was beim Start feststand, war die Reifenwahl, alles andere war aufgrund der Streckenverhältnisse eine Lotterie. Da der Flaggenstart 2010 für einige Verwirrung gesorgt hatte, wurde dieses Jahr mit einer neu aufgestellten Ampel gestartet. Schnell fuhren sich Oege de Jong, Helmut Peter und Arie van Engelen einen Vorsprung auf den Rest des Feldes heraus. Aber nicht, um wie gestartet ins Ziel zu rollen, nein. Das Führungstrio wechselte munter die Reihenfolge. Einen Fehler von Helmut Peter konnte Arie van Engelen nutzen und kam hinter seinem Landsmann Oege de Jong auf Platz 2 ins Ziel. Mit einem Rückstand von 1,4 sec. fuhr dann Helmut Peter über die Ziellinie. Mit einem Respektabstand von knapp 12 sec. kam Gaststarter Gavin Beaumont ins Ziel. Gavin der sonst im deutschen C-Cup startet, sah diese Veranstaltung auch eher als Training unter Rennbedingungen. Nach den Tipps des Teamweltmeisters Jan Deitenbach lief es für Matthias Bremer deutlich besser. Er konnte von Startplatz 13 auf 6 vorfahren. Jochen Hahn, von Platz 14 gestartet, heftete sich an die Fersen von Matthias Bremer und fuhr auf Platz 7 über den Zielstrich. Startübungen sollten ganz oben auf der "to-do Liste" von Harald Wirtz stehen. Im Rennen konnte er seinen guten Startplatz nicht umsetzen und befand sich beim Fallen der Flagge auf Platz 8. Harald Bambey hatte mit dem Getriebe seiner KTM zu kämpfen und konnte sich nur auf Platz 14 ins Ziel retten. Jens Lindenlaub ging dieses Rennen ganz locker an. Bei nachlassender Kraft fuhr er kurzerhand rechts ran und legte eine Pause von zwei Runden ein.
Die aufgehende Sonne sorgte an diesem Renntag im Fahrerlager schnell für Luftfeuchtigkeit auf Saunaniveau. Die Nachricht von der Strecke, dass die Ideallinie durch die laufenden Rennen langsam trocken gefahren wird, sorgte im Ü40-Fahrerlager sofort für einen Reifenpoker. Die meisten Fahrer entschieden sich für Regenreifen vorn und Slick hinten. Ulrich Opatz blieb seiner Linie treu und trat auch am Sonntag nicht zum Rennen an. Die Titulierung als "Eisdielenposer" nahm er dabei lächelnd hin. Vom Start weg bildete sich an der Spitze ein Zug von sechs Fahrern, die, so sah es jedenfalls aus, einfach die Zeit runterfahren wollten und vor Rennbeginn einen Nichtangriffspakt geschlossen hatten. Ab Rennmitte kam dann Oege de Jong immer besser in Schwung und konnte sich zusammen mit Helmut Peter vom Rest des Feldes absetzen. Helmut Peter war an diesem Tage nicht gewillt, den Sieg kampflos abzugeben und hing dem Niederländer wie ein Terrier im Nacken. In der vorletzten Runde fand er dann einen Weg an Oege de Jong vorbei und konnte sich bis zum Fallen der Zielflagge noch einen Vorsprung von fast 2 sec. herausfahren. Carsten Kögel, mit Platz 12 am Vortag mal so gar nicht zufrieden, hielt an diesem Tag Harald Wirtz und Peter Schubbe hinter sich und rollte auf Platz 7 ins Ziel. Mit dem Wissen, dass die vor ihm fahrenden Gaststarter nicht punkteberechtigt sind, musste er nicht Kopf und Kragen riskieren, sondern nur die Platzierung nach hinten absichern. Mit den Gedanken schon im verdienten Urlaub fuhr Christoph Welter nicht auf der letzten Rille, um noch an dem vor ihm fahrenden Welf Ernst vorbeizuziehen und war mit Platz 13 nicht unzufrieden. Als Matthias Bremer die Restfeuchte im Offroad testete, konnte der hinter ihm fahrende Jochen Hahn nicht mehr ausweichen und traf das Renngerät von Matthias Bremer. Bei diesem markeninternen Treffen im Offroad zog die Bremer-KTM den Kürzeren und war danach nicht mehr fahrbar. Harald Bambey konnte auch an diesem Tag seinen Platz in der ersten Startreihe nicht in etwas Zählbares umsetzen. Mit versagender Bremse feuerte er seine KTM um ein Haar in die Zuschauer. Mit einem breiten Grinsen fuhr Nicole Wiegand nach diesem Lauf zurück ins Fahrerlager. Konnte sie doch im ersten Rennen nach langer Verletzungspause gleich Wertungspunkte einfahren.
Wenn die Rennen im belgischen Bilstain wettertechnisch die Hölle waren, waren die Rennen beim InterRace des FMC in Freiburg der Himmel für Supermoto-Fahrer. Nur eine Woche nach dem Wetterchaos von Belgien wurden die Fahrer im Breisgau mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen verwöhnt. Der FMC hatte für das vorletzte Saisonrennen des Ü40-Cup einen Zeitplan auf die Beine gestellt, der keine Wünsche offen ließ. Am Samstag zwei freie und ein Zeittraining, Sonntag das Warm-up und zwei Rennen. Bei soviel Fürsorge des FMC war sogar fast das Fehlen eines Duschcontainers zu verschmerzen.
Lieber FMC-Vorstand, nicht jeder Fahrer ist mit einem Wohnmobil incl. Nasszelle ausgestattet und verschwitzt in den Schlafsack zu kriechen gehört nicht wirklich zu den "must have" Dingen. Ein Duschcontainer bei der nächsten Veranstaltung wäre das i-Tüpfelchen auf eure ansonsten Top-Organisation.
Angesichts der optimal vorbereiteten Strecke ging die Ü40-Truppe am Samstag daran, ihre Rundenzeiten von Training zu Training nach unten zu schrauben. Die größte Verbesserung gelang dabei Nicole Wiegand, die sich vom ersten Training bis zum Zeittraining um fast 15 sec. verbessern konnte. Aller Ehrgeiz nützte aber nichts, die rote Laterne konnte sie nicht abgeben. An der Spitze waren wieder, wie sollte es auch anders sein, die drei Überflieger des Cup, Christian Klipfel, Jürgen Hüther und Helmut Peter zu finden. Aufgelockert wurden die ersten zwei Startreihen durch zwei Schweizer und einen deutschen Gaststarter. Christian Klipfel stellte aber klar, dass die Pole Position an einen eingeschriebenen Ü40-Fahrer zu gehen hat. Mit einer 1:03.441 distanzierte er Gaststarter Roman Bosshard um 1,1 sec. und Jürgen Hüther um 1,2 sec.
Welf Ernst fuhr auf Startplatz 9 mit einer Verbesserung von knapp 7 sec. zu seiner Zeit aus dem freien Training. Fast das komplette Fahrerlager fragte sich, was Welf seiner KTM wohl eingeflößt hatte. Als von der Rennleitung dann die Info kam, dass die Zeit durch Abkürzen zustande gekommen war und Welf Ernst ans Ende des Feldes verbannt wurde, war die Welt wieder rund. Die Schönwetter-Yamaha von Jörg Gregor konnte an diesem Wochenende auch zum Arbeiten überredet werden, mehr als Startplatz 21 war aber nicht drin. Wohl prominentester Gaststarter im Ü40-Fahrerfeld war Joannis Joannidis, Vater von S2 Fahrer und IDM-Tabellenführer Nico Joannidis. Das Joannis Joannidis mit einer Supermoto umgehen kann, stellte er mit Startplatz 22 unter Beweis.
Beim Warm-up am frühen Sonntagmorgen ließen es die Fahrer und Fahrerinnen ruhig angehen und spulten ihre Runden ab.
Aber nicht alle... MZ-Umsteiger und Gaststarter Felix Wittenberg kam mit seiner Suzuki immer besser zurecht und konnte seine Rundenzeit um 0,8 sec. nach unten schrauben. Leider knapp 15 Stunden zu spät, um in der Startaufstellung noch weiter nach vorn zu kommen, es blieb bei Startplatz 29.
Die beste Taktik sich aus allem herauszuhalten, ist die Flucht nach vorn. Genau so ging Christan Klipfel sein Rennen vom Start weg an. Anfänglich noch von Gaststarter Roman Bossard und Jürgen Hüther verfolgt, konnte er sich bis zum Fallen der Flagge einen 12 sec. Vorsprung herausfahren. Helmut Peter fand keinen Weg an den beiden schweizerischen Gaststartern vorbei, kam auf Platz 6 ins Ziel und stand trotzdem als Dritter auf dem Podium. Gelobt sei die Ü40-Cup Gaststarterregelung. Die guten Reflexe beim Start ließen Matthias Bremer diesmal im Stich, er zuckte einen Sekundenbruchteil vor Erlöschen der Startampel. Die Rennleitung bat daraufhin in Runde 3 zur 15 sec. Ruhepause. Trotz der Zwangspause schaffte es Matthias Bremer, gaststarterbereinigt, auf Platz 5 ins Ziel. Welcher Fremdkörper Mario Rothe in der Schikane der Gegengeraden gestört hat, war nicht zu erfahren. In Runde 2 beseitigte er jedenfalls auf dem Rücken rutschend alle störenden Gegenstände in der Schikane. Dass solch selbstloses Handeln sich auf dem Ergebniszettel nicht auszahlt, konnte er nach dem Rennen nachlesen, Platz 17. Nach dem Zylinderkopfschaden in St. Wendel war sich Robert Pellerei nicht sicher, ob seine Husaberg durchhalten würde und war daher mit Platz 11 nicht unzufrieden.
Die Ereignisse dieses Rennens sind schnell erzählt. Es wurde hart und verbissen, aber fair um jeden Meter gerungen, aber bis auf einige Platztäusche im Mittelfeld kam nicht viel Zählbares dabei heraus. Auf dem Podium standen wieder Christian Klipfel, vor Jürgen Hüther und Helmut Peter.
Aber auch das macht den Ü40-Cup aus, die Geschichtchen am Rand der Rennen. Angelika Otto schaffte es dieses Jahr, an jedem Ü40-Rennwochenende eine Bodenprobe zu nehmen. Die größten Fahrerlager-Grillpartys finden immer noch bei Matthias Bremer statt. Nicole Wiegand freute sich nach Lauf 2 als hätte sie gewonnen, weil sie einmal weniger überrundet wurde. Achim Freund hat immer eine Begründung parat, warum es ausgerechnet am aktuellen Rennwochenende nicht weiter nach vorn gegangen ist. Harald Bollinger ist noch immer nicht, wie am Anfang der Saison versprochen, mit Dutt zum Rennen angetreten. Wie Boddle Schellberg mit seinem Husaberg-Eigenbau so schnell sein kann, ist einigen ein Rätsel.
Zugegeben, es ist nicht immer ganz einfach den Racer of the Weekend zu bestimmen und gerade in St. Wendel fiel es uns wieder besonders schwer. Spaniol hatten wir gerade durch, Deitenbach und Niewiadomski hatten auch alle Voraussetzungen erfüllt und ihren Beitrag geleistet. Doch in der S2 wäre Spaniol erneut der erste Kandidat gewesen. Gut, Wolf mit seinem Sieg im ersten Rennen wohl auch noch, aber zeigte sich dann doch eher als die breite Dampflock am vorderen Ende eines scheinbar stärkeren Verband an Fahrern. Also schielten wir auf die S1. Dort stach ein Mann alleine dadurch heraus, dass er das unfassbare geschafft hat. Nämlich Erster zu werden, ohne dass er ein Finne ist.
Die Voraussetzungen in beiden Rennen der S1 waren die gleichen. Während Class es im ersten Lauf verpasste ausreichend Fersengeld zu zahlen, saß Pavel Kejmar ihm im Genick und Hermunen hatte somit die Chance das Führungsduo einzuholen.
Bemerkenswert am ersten Rennen war die Ruhe, mit der Kejmar hinter Class herzog. Ungewöhnlich für ihn, da der harte Hund aus der Tschechei ansonsten eher zu riskanten Manövern tendiert, dies aber im besagten ersten Lauf erfolgreich ausblendete und somit sich und Class das Überleben sicherte.
Im zweiten Lauf war Kejmar dann auf Zack, startete als Schnellster und setzte sich sofort vom Rest des Feldes ab. Als sei der Teufel hinter ihm her brachte er Runde um Runde immer mehr Abstand zwischen sich und die Verfolger. Hermunen kämpfte noch mit Volz, Künzel und Class, bis er dann auf Position zwei ankam und Kejmar hätte angreifen können. Doch wenn der Hermunator oben auf Start-Ziel einbog, war Kejmar schon lange unten ums Eck rum. Acht Runden freie Fahrt nutzen dem Finnen nichts, soweit war Pavel schon davon geeilt.
Für diese Leistung, dass er es geschafft hat dem kompletten Feld davon zu fahren und nicht mal einem heraneilenden Hermunen eine Chance zu bieten, dafür bekommt er von uns den Titel des Racer of the Weekend.